Der Vorsitzende der SPD in der Region Stuttgart Peter Hofelich sieht die Industrie-Arbeitsplätze im Filstal in Gefahr. „Die Zeichen sind alarmierend und die Politik darf nicht länger abseits stehen", sagte Peter Hofelich in Versammlungen zur Landtagswahl in Bartenbach und Ottenbach Ende letzter Woche. „Notwendig ist im Kreis ein Wirtschaftsdialog, welcher Unternehmensleitungen, Kapitaleigner, Gewerkschaften, Betriebsräte sowie die kommunale und regionale Politik an einen Tisch bringt", forderte der SPD-Kandidat.
Nach Hofelichs Beobachtung und Einschätzung ist ein weiterer Abbau der Fertigungskapazitäten nicht mehr hinnehmbar. „Der Fall der Firma Ex-Cell-O in Eislingen ist ein besonders bedrückendes Beispiel für Fremdbestimmung", meinte Hofelich. „Aber von der Ulo über die Papierfabrik Salach bis hin zu Böhringer und Märklin erfahren wir, dass das Filstal in die Defensive geraten ist", stellte der SPD-Kandidat fest. Er befürchtet den „Verlust der Identität unserer Heimat, welche eng mit der industriellen Stärke verbunden ist".
Hofelich macht mehrere Vorschläge, wie man dieser Entwicklung begegnen könnte: „Die Abgeordneten aus dem Landkreis Göppingen müssen sich für faire europäische Rahmenbedingungen für die Industriebetriebe einsetzen und vor allem gegen Subventionierung von Standortverlagerungen votieren. Hofelich glaubt, dass durch einen besseren Übergang von Produktideen aus der Forschung in die Produktionsbetriebe ein Wiederaufschwang möglich wäre. „Die Stärkung der Mechatronik an der FH Göppingen könnte dadurch gelingen, dass Göppingen zum Leitzentrum für ganz Baden-Württemberg gemacht wird", beschreibt Hofelich seine Zukunftsperspektive. Hofelich sprach sich in diesem Zusammenhang auch für die gezielte Förderung von Existenzgründungen aus, aber auch für die Bündelung von lokalen Kompetenzen, zum Beispiel bei Gesundheit und erneuerbaren Energien.
Der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende kündigte für den Fall der Regierungsübernahme seiner Partei an, eine Wirtschaftspolitik einzuschlagen, die konsequent auf eine Sicherung der Arbeitsplätze und auf eine Förderung von Existenzgründungen hinausläuft. Dabei machte Hofelich seine Position zu einer aktiven und innovativen Wirtschafts- und Strukturpolitik deutlich und forderte die am Wirtschaftsprozess Beteiligten zu mehr Kooperation und zu mehr Mut bei innovativen Entwicklungen auf.
Hofelich verwies auf das SPD-Regierungsprogramm, in dem seine Partei als oberstes Ziel staatlicher Wirtschaftspolitik, die Beschäftigung zu sichern und auszuweiten, deklariert habe. „Die Wirtschaft ist für den Menschen da", betonte Hofelich und forderte ein eigenständiges Profil des Landes Baden-Württemberg für den am stärksten wachsenden Dienstleistungsbereich. „Eine gezielte Industriepolitik muss gewährleisten, dass das Land Anreize schafft, damit die Industrie ihre Standorte im Land aufrechterhalte.
„Die mittelständischen Unternehmen bilden das Rückgrat unserer Wirtschaft", sagte Hofelich und setzte sich dafür ein, die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen zu stabilisieren und zu verbessern sowie ihnen die Anpassung an sich wandelnde Strukturen zu erleichtern. „Neugründungen und Expansionen müssen gezielt gefördert werden", hob Hofelich hervor.
„Die Industriepolitik ist viel zu lange von falschen Gegensätzen bestimmt worden", meinte Hofelich in den beiden Versammlungen. Der vermeintliche Gegensatz von alter Ökonomie und neuer Ökologie müsse vernünftig überwunden und eine wettbewerbsfähige Produktpalette aufgebaut, Forschung und Entwicklung intensiviert und Engineering, Vertrieb und Qualitätskontrolle forciert werden. „Ein besonderes Augenmerk ist auf die Pharmazie, die Biotechnologie und auf die Medizintechnik zu legen", mahnte Hofelich neue Aktivitäten im Landkreis Göppingen an.
Die SPD Baden-Württemberg sehe, so Hofelich, in der Förderung von ausgewählten, wachstumsintensiven und zugleich standortgerechten Aktionsfeldern, bei denen Chancen zur Clusterbildung bestehen, die vorrangige Aufgabe einer neuen Industriepolitik. In allen Zweigen des verarbeitenden Gewerbes, auch im Bereich der alten Industrien, gäbe es regionalen Leistungsaustausch und große Wachstumspotenziale. „Mit Blick auf die Bedeutung der Beschäftigten in der Industrie für die lokale Kaufkraft ist es unabdingbar, die wettbewerbsfähigen Industriebetriebe aller Branchen in der Region zu halten und die Verzahnung mit der Dienstleistungswirtschaft zu unterstützen", beschrieb Hofelich seine Zielsetzung.
In den anschließenden Diskussionen fand Peter Hofelich viel Zustimmung für seine Thesen. Die Bürgerinnen und Bürger waren mit ihm der Meinung, dass die noch vorherrschende Politik im Kreis die Schwierigkeiten unserer Industrie über Jahre sträflich vernachlässigt und verschwiegen hat. Hier müsse ein anderer Wind einkehren.