„Stuttgart 21 regional"
SPD: Bahnbrachen sollen attraktiv genutzt werden
Die SPD-Regionalfraktion will gemeinsam mit der Architektenkammer Baden-Württemberg die Entwicklung von Bahnbrachen in der Region Stuttgart zu hochwertigen Gewerbe- und Wohnflächen voranbringen. Mit einer gemeinsamen Veranstaltung gelang es, die konkreten Potenziale für solche Entwicklungsgebiete aufzuzeigen. „Vorhandene Hemmnisse könnten auch mit Hilfe des Verbands Region Stuttgart überwunden werden", meint Claus Schmiedel, Vorsitzender der SPD-Regionalfraktion.
Der Bezirksvorsitzende der Architektenkammer Stuttgart, Richard Christophers, verwies in seiner Begrüßung im Stuttgarter Haus der Architekten darauf, dass die von der Bahn nicht mehr genutzten Areale zumeist im Zentrum der Kernstädte liegen und daher ein erhebliches städtebauliches Potenzial zur Erweiterung der Innenstädte enthalten. Noch wichtiger werde das Thema vor dem Hintergrund der erkennbaren Rückwanderungsbewegung in die Städte. Dafür benötige man Flächen in den Zentren. „Stuttgart 21 ist der große Schinken", so Christophers. Während dieser sozusagen in aller Munde ist, gäbe es in der gesamten Region noch eine Vielzahl von kleineren „Wurstzipfeln", auf die die Veranstaltung „Stuttgart 21 regional" das Augenmerk lenken wolle.
Die Ergebnisse einer Erhebung dieser Potenziale der Bahnhofstandorte in der Region Stuttgart präsentierte Manfred Josef Pauli von der Pauli Beteiligungsberatung und -durchführung. Er verwies darauf, dass das Bahnhofsumfeld in den meisten Fällen aufgewertet werden müsse und einen Imagewandel benötige. Probleme wie Schmutz oder Lärm könnten mit moderner Bautechnik weitgehend eingeschränkt werden. Die Nutzung der Bahnflächen könnte auch den Flächenfraß in der Region eindämmen, meint Pauli.
Ein konkretes Beispiel lieferte Wilfried Wallbrecht, Baubürgermeister der Stadt Esslingen. Es sei jedoch schwierig Investoren zu gewinnen, weil die Entwicklung solcher Gelände mit einem hohen Aufwand und damit Risiko verbunden sei. Die Verhandlungen mit der Bahn benötigten zudem viel Zeit, weil die unterschiedlichen Interessen nicht leicht unter einen Hut zu bekommen seien.
Michael Monno von der DB Services Immobilien GmbH (DB SImm) gibt zu, dass sich im Bereich von Bahn-Immobilien viele Akteure tummeln, von denen einige gar nichts direkt mit der Deutschen Bahn zu tun hätten. Das erschwere die Übersicht für die kommunalen Verhandlungspartner. Meist träfen völlig unterschiedliche Interessen aufeinander, wie die Areale genutzt werden sollen. So bringt der großflächige Einzelhandel zum Beispiel einen deutlich höheren Erlös für die Grundstücke als Wohnungsbau. Ziel der DB SImm sei es, „Reserven zu heben und trotz zumeist erheblicher Vorlaufkosten mindestens eine schwarze Null zu erreichen", so Monno. Trotz der Probleme komme man in den allermeisten Fällen zu einer Einigung.
Ein Vorbild für Stuttgart 21 regional könnte das „Bahnhofs-Standorte-Programm Rhein-Neckar" sein. Der stellvertretende Direktor des Raumordnungsverbandes Rhein-Neckar, Dr. Hans-Jürgen Seimetz, berichtete über das Programm. Der Regionalverband übernahm für eine ganze Reihe von Kommunen die Verhandlungsführung mit der Bahn und konnte dadurch Paketpreise vereinbaren. So wurde ein Risikoausgleich vorgenommen, weil nicht alle Flächen gleichermaßen attraktiv sind. Nicht überall könne Einzelhandel angesiedelt werden, manchmal sei auch landwirtschaftliche Nutzung oder gar die Renaturierung das Mittel der Wahl. Insgesamt sei das Programm ein großer Erfolg, den Claus Schmiedel auch gerne für die Region Stuttgart sehen würde. DB SImm-Vertreter Monno bestätigte, dass sowohl die Paketlösung als auch ein einheitlicher, beständiger Verhandlungspartner aus seiner Sicht von Vorteil seien. Auch Esslingens Bürgermeister Wallbrecht hielt es für lohnenswert, die Chancen eines solchen Modells zu prüfen.
In Zurückhaltung übte sich hingegen der Direktor des Verbands Region Stuttgart (VRS), Dr. Bernd Steinacher, der auf die bestehenden Aktivitäten des VRS bei Stuttgart 21 oder in Kornwestheim hinwies. Man biete schon jetzt das Know-how an. Ein weiter gehendes Engagement, das auch Personal binde, müsse von der Regionalversammlung so gewollt werden. Gleichwohl unterstütze er den Vorstoß der SPD-Fraktion, die Bahnbrachen als wichtiges Entwicklungspotenzial in der Region stärker zu beachten und zu fördern.
Claus Schmiedel sieht sich nach den positiven Impulsen der Veranstaltung darin bestärkt, dass sich die Region um eine attraktivere Nutzung vieler Bahnbrachen bemühen sollte. „Die SPD-Regionalfraktion wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass die Region Stuttgart das Thema anpackt. Der VRS muss eine wichtige Rolle als Partner von Kommunen einerseits und Bahn andererseits übernehmen", so Schmiedel. Er freue sich besonders, dass sich mit der Architektenkammer ein kompetenter Fürsprecher dieser regionalen Sache angenommen habe.